Zurück im bibberkalten Deutschland

Sonntag, 18.03.2018

  Getöntes Bild aus 188 m Höhe Townhall Albert Park Der Fernsehturm ist überall präsent Harbour Bridge Volvo Ocean Race im TrainingTypische Silhouette  Die Boote der Volvo Ocean Race  Kreuzfahrtschiff in der City

Sechs Wochen Neuseeland. Im Nachhinein vergingen sie wie im Fluge. Aber wir sind uns sicher, dass wir noch lange von den Schönheiten und unseren großartigen Erlebnissen bei und mit den Kiwis zehren werden.
Deutschland empfing uns vor drei Tagen nach einem 24-stündigen Flug mit eisiger Kälte. Sind wir am 31. Januar bei 9 Grad Tagestemperatur Richtung Neuseeland gestartet, zeigt die Quecksilbersäule jetzt gerade mal minus 2 Grad als Höchsttemperatur an. Wehmütig erinnern wir uns auch so an die letzten zwei Tage unserer Tour, die wir im sonnig warmen Auckland verbrachten. Kaum zu glauben, dass wir noch vor 5 Tagen im Straßencafé saßen und dem Treiben auf und am Wasser zusahen. Auckland macht seinen Namen als City of Sails, Stadt der Segel, wirklich alle Ehre. Überall an den vielen Meeresbuchten sieht man Marinas voller Segelboote. Von der kleinen Familienjolle bis hin zur Superyacht. Und spätestens seit dem dritten Gewinn des America‘s Cup im letzten Jahr platzt die ganze Nation voll Segelstolz. Nach dem ersten Gewinn 1995 hat man die Hafenmeile auf Vordermann gebracht – sie ist immer voller Menschen, die aufs Meer fahren wollen, bummeln, Leute gucken, Yachten bewundern, ausgehen und feiern. Dahinter liegt gleich der Business District, Glaspaläste voller Büros und – Parkhäuser. Weniger schön. Hätte man mehr aus seiner Lage am Wasser machen können, finden wir. Aber da ist ja noch der Fernsehturm mit seinen Aussichtsetagen, dem Café und dem Bungee Jumping für ganz Wagemutige. Und der Albert Park mit der ehrwürdigen Universität und die Queens Street mit ihren Boutiquen und Kaufhäusern.
Uns zieht es an’s Wasser. Und wieder einmal sind wir zur rechten Zeit am rechten Ort. Den letzten Gewinn des America’s Cup haben wir zwar um ein dreiviertel Jahr verpasst, aber gerade in diesen Tagen macht die Volvo Ocean Race Station in Auckland. Sieben Groß-Rennsegler, die sich in acht Monaten rund um den Erdball ein Rennen liefern. Nicht so renommiert wie der AC, aber genauso spannend und herausfordernd. Wir bewundern die Boote, genießen das Programm rund um die Race, lassen uns umfassend informieren und wollen am Ende nur eines: Selbst raus auf’s Wasser. In einer zweistündigen Rundfahrt auf dem Ausflugskatamaran lassen wir die Küstenlinie vor Auckland mit ihren vielen Inseln und Buchten an uns vorüberziehen. Und sehen uns in unserer Meinung bestätigt: Hier muss man einfach ein Boot haben!
Während ich das schreibe, spüre ich noch einmal die warme Sonne auf der Haut, den Wind in den Haaren, die Seeluft in der Nase. Und denke an die grünen Hügel, die tiefen Wälder, die freundlichen Menschen und unser Haus auf Rädern. In sechs Wochen hat es uns über 6000 Kilometer durchs Land getragen. Uns ein Gefühl von Freiheit gegeben. Wir mussten nicht vorplanen, konnten von einem Tag auf den anderen entscheiden, wohin die Reise geht. Und uns auch dann noch spontan umentscheiden. Das hat uns ausnehmend gut gefallen. Es wird nicht die letzte Tour mit einem Camper gewesen sein. Lasst euch überraschen! Wir werden euch mit Sicherheit wieder in einem Blog mit auf die Reise nehmen.

Besuch beim Gott des Waldes

Sonntag, 11.03.2018

  Tane Mahuta,der Gott des Waldes Der Meister des Waldes Vier Schwestern Kauri Museum Maschinenhaus Ein Salon, ganz aus Kauriholz Skulptur aus Kauriharz Begehbarer Kauri Alter Mann

Wir konnten wirklich schon riesige, alte Bäume überall auf der Welt bewundern – die Ivenacker Eichen in Deutschland, die Redwoods in Kalifornien, die Mountain Ash in Australien. Aber keine, wirklich keine von ihnen haben uns so beeindruckt wie die Kauri-Bäume Neuseelands. Einst bedeckten wohl ganze Wälder beide Inseln, heute sind durch intensiven Baumeinschlag bis zur Hilfe des letzten Jahrhunderts nur noch wenige der faszinierenden Riesen zu bewundern, in Naturreservaten strengstens geschützt . Im Waipua Forest an der Westküste der Nordinsel  besuchen wir den von den Maori hochverehrten Tane  Mahuta, ihren Gott des Waldes.  Unweit der Straße streckt er bereits 2000 Jahre seine mächtige Krone der Sonne entgegen, die Rinde seines 3 Meter dicken Stammes ist schon ganz silbern. Wir verstehen die Maori, die ihn wie ein Lebewesen ihresgleichen behandeln und fühlen uns winzig, ganz winzig.  Dabei ist er zwar der größte, aber nicht mal der dickste Baum. Der steht mit dem   Te Matua Ngahere, dem Meister des Waldes, wenige Wanderkilometer entfernt  - etwas kleiner, aber mit einem 5 Meter dicken Stamm durchaus nicht von schlechten Eltern. Unser Besuch bei den Giganten des Waldes endet bei den Four Sisters, 4 am Grunde des Stammes zusammengewachsene Kauris. Nicht so mächtig wie Gott und Meister des Waldes, auch noch nicht mit silberner Rinde, aber als Baumgruppe doch sehr beeindruckend. Und dabei rede ich noch nicht von den anderen Riesen, von denen wir auf unserem Weg durch den Urwald wenigstens 30 zählen.  Noch vor 100 Jahren wurden  sie wegen ihres fast unzerstörbaren Holzes in Massen gefällt und zu Häusern, Booten, Möbeln verarbeitet. Das Kauri-Museum in Makatohe gibt einen beeindruckenden Einblick in die Holzindustrie jener Jahre. Und zeigt auch gleich noch die Arbeit der Gum Digger. Mit primitiven Mitteln buddelten sie das versteinerte Harz der Kauris aus dem Boden, sozusagen das Bernstein Neuseelands. Nur in viel größeren Brocken. Auch davon kann man ganze Sammlungen im Museum bewundern. Wie auch die Möbel, die seinerzeit aus Kauri gefertigt wurden. Wunderschön!

Heute verarbeitet man vor allem das Holz jener prähistorischen Kauri-Bäume, die man hier auf der Nordinsel aus dem Boden, aus dem Swamp, gräbt. Zu Schalen, zu Schmuck, zu Wandverkleidungen, auch zu Möbeln. Wunder-  wunderschön, aber für uns unbezahlbar. Wir trösten uns mit dem Aufstieg durch einen dieser uralten Swamp-Kauris, der in der Mitte eines Showrooms  in Awanui die Stockwerke des Hauses verbindet.  Sehen wir an ihm nicht das Gesicht eines uralten Mannes?  Sollen wir wirklich einen weiteren Meister des Waldes entdeckt haben?  Pass gut auf dein Volk auf, Te Matua Ngahere.

Auf in die Subtropen zum Geburtsort Neuseelands

Freitag, 09.03.2018

Typische Häuser in Whangarei Grüner Wasserfall bei Whangarei Zeremonien Kanu, Besatzung 150 Maori-Krieger Unser Guide vor dem Treaty House Begrüßung vor dem Meeting House Show Bay of Islands 1 Russel in der Bay of Islands Bay of Islands 2 Bay of Islands 3

Nun sind wir schon fast ganz oben im Norden angekommen. Und das heißt, es wird immer wärmer. Hier in der Bay of Islands herrscht bereits subtropisches Klima. Als wir vorgestern die Coromandel Halbinsel verließen, regnete es in Strömen  Nur weg, dachten wir, sattelten die Pferde, schlängelten uns durch Auckland, überfuhren die Harbour Bridge und schon waren wir in der nördlichen Vorortgegend. Schneller als gedacht. Freedom Camping am Snells Beach war angesagt, diesmal entsprach der ausgesuchte Platz unseren Vorstellungen. Direkt am Meer, von einem gepflegten Park umgeben, unterhalb eines Wohngebietes von ausgesucht schönen Häusern. Wer hier wohnt, gehört nicht zu den Armen. Es war noch früher Nachmittag, also  auf zum Schnorcheln in das hochgelobte Meeresreservat  Neuseelands , das Cape Rodney Marine Reserve. Dunkle Wolken verheißen nichts Gutes. Und wirklich, als wir ankamen regnete es wieder einmal wie aus Kannen.  Wir sind nicht aus Zucker, aber Schnorcheln ohne Sonne macht nun einmal keinen Spaß.

Nach einer erholsamen Nacht unter dem unglaublichen Sternenhimmel der Südhalbkugel zogen wir weiter Richtung Norden, an Whangarei mit seiner schönen Hafenfront und dem unglaublich beeindruckenden Wasserfall vorbei, mit Abstecher zur längsten Fußgägerbrücke der südlichen Hemisphäre, ihr wisst, welche ich meine. Schnell noch auf’s Klo in Kawakawa , und schon waren wir im wichtigsten Ort der Neuseeländischen Geschichte, Waitangi, angelangt.  Nicht in Auckland, nicht in Wellington, hier im Pupsnest Waitangi liegt die Geburtsstätte des Neuseeländischen Staates. Hier im Waitangi Treaty Ground wurde 1840 der Vertrag zwischen Maorihäuptlingen und der britischen Krone unterzeichnet, der den Staat erst ermöglichte. Und mit entsprechendem Stolz wird der Ort präsentiert. Informativ gut aufgemacht, mit Führungen über das Gelände und einer Gesangs- und Tanzshow im Zeremonienhaus der Maori. Sehr schön, sehr beeindruckend. Spätestens nach diesen Liedern war auch dem Letzten klar, dass die Urväter der Maori aus der Südsee kamen.

Am heutigen Nachmittag ging es in die wunderschöne Bay of  Islands mit ihrem türkisblauen Wasser und den bewaldeten  tausend kleinen Inseln. Die geplante Schiffstour ließen wir sausen und  fuhren lieber mit der Fähre nach  Russel an das gegenüber liegende Ufer der Bay. Ein hübsches Örtchen voller historischer Häuser. Und einem Aussichtspunkt hoch über der Stadt, der erklommen werden wollte. Und wirklich, die Aussicht war traumhaft. Aber dunkle Wolken zogen auf. O, o, das verheißt nichts Gutes. Schnell in Richtung Russel zurück. Unterwegs die ersten kleinen Schauer, die wir unter Bäumen abwarteten. Aber das geplante Sightseeing fiel einem tropischen Guss zum Opfer. Wir schafften es gerade noch in die nächste Gaststätte, ohne bis auf die Haut nass zu werden. So schnell der Tropenguss gekommen war, so schnell war er wieder vorbei. Auf unserer Rückfahrt schien die Sonne. So ist es hier immer. Dafür ist es aber auch unwahrscheinlich grün. Das wird uns mit Sicherheit fehlen, wenn wir in wenigen Tagen ins kalte Deutschland zurückkehren.

 

Sch… auf Hundertwasser

Donnerstag, 08.03.2018

Die Überschift ist natürlich nur ein Spaß, denn wer wird den großen Architekten und Ökoaktivisten Friedensreich Hundertwasser schon derart besudeln. Aber was hat er sich nur dabei gedacht, dass er als  sein letztes baugebundenes  Werk ausgerechnet ein Toilettenhäuschen designt hat? Es ist wohl das meistfotografierte Toilettenhaus der Welt und im kleinen Nest Kawakawa unweit der Bay of Islands zu finden. Nur, falls ihr mal stilvoll für kleine Königstiger. Ihr wisst schon, was ich meine. Und das bringt mich auf einen erheiternden Gedanken. Was, wenn der Geist des für seinen skurrilen Humor bekannten Hundertwassers, der unweit von Kawakawa auf seiner Farm begraben liegt, ab und zu einen Ausflug in die Stadt  macht. Sich dort auf den Baum vor seinem Toilettenhäuschen  niederlässt und sich darüber amüsiert, mit welcher Freude die Menschen mit einem Mal ihre Notdurft verrichten. Und sich noch dabei fotografieren (Nichts gegen Selfies, aber auf einem Klo?). Gut gemacht , Friedensreich Hundertwasser, ruhe in Frieden!

Die längste Fußgängerbrücke der südlichen Hemisphäre

Donnerstag, 08.03.2018

  Ortszentrum von Whananaki und unser WoMo Die längste Fußgängerbrücke der südlichen Hemisphäre Schnell nach Hause  Fast 400 m langDer Beweis

Manche touristischen Highlights liegen am Wegesrand und keiner sieht sie. Weil kein Reiseführer darüber berichtet. Aber Norbert und Eva finden sie! Und wenn sie dafür einen 50 km langen Umweg in die Pampa über Stock und Stein fahren müssen. Wie heute auf unserem Weg zur Bay of Islands.  Kurzerhand verlassen wir die SH 1 in Richtung Whananaki.  Ein Nest  am südlichen Pazifik.  Café, Poststelle und Krämerladen, alles in einem Gebäude. Aber auch eine Schule. Und eine touristische Sehenswürdigkeit internationalen Ranges. Die längste Fußgängerbrücke der südlichen Hemisphäre. 0,60 Meter breit und 395 Meter lang überspannt sie neben dem Schulgebäude eine flache Meeresbucht, die die Ortsteile von Whananaki trennt. Und darin liegt auch der Grund für die rekordverdächtige Brückenkonstruktion.  Bis zum Jahr 1947 ruderte der Lehrer seine Schüler von Whananaki Süd zwei Mal am Tag zur Schule nach Whananaki Nord. Das muss ihn genervt haben, denn die Einwohner bauten in diesem Jahr kurzerhand die erste Brücke über das  breite, aber flache Inlet. Aus einheimischem Holz, mit Axt und Säge, ohne statische Berechnungen und so. Sie hielt bis 1960, dann gab es eine neue Konstruktion von Seiten der Regierung, mit Fördermitteln gebaut und auf solide statische Füße gestellt. Also eilen oder bummeln bis heute  die Kinder vom südlichen Ortsteil morgens zu Fuß oder sogar per Rad über die Brücke zur Schule und nachmittags wieder ans heimische Ufer. Ich vermute, ihnen ist es schnurzegal, dass sie über die längste Fußgängerbrücke der südlichen Erdhalbkugel flitzen, solange auf der anderen Seite das Mittagessen und die Freunde warten.

Wild, wilder, Coromandel

Dienstag, 06.03.2018

  Mittagspause an der Küstenstraße der Coromandel An diesem Strand gab's Mittagessen Jeder gräbt sich seinen Heißwasserpool Cathedral Cove Die Küste an der Cathedral Cove Der Strand an der Cathedral Cove Die Küste bei Coromandel Town

Nach unserem gestrigen Besuch im Auenland musste Norbert richtig Gummi geben. Ungewollt. Unser Tagesziel hieß „Hot Water Beach“ auf der Coromandel Halbinsel. Eigentlich gleich um die Ecke vom Filmset, dachten wir. In zwei Stunden locker auf der Küstenstraße zu erreichen. Spätestens um 5 wollten wir nämlich in unserem höchst selbstpersönlich gegrabenen Hot Pool am Strand liegen. Es wurde eng. Der Verkehr dicht und dichter. Norbert nervös und nervöser. Und im Endeffekt die Straßen kurvig und kurviger. Wer hätte gedacht,  dass die Uferstraße sich in Serpentinen durchs Gebirge schlängelt? Kurz vor 4 ritten wir in den Top 10 Holiday Park Hot Water Beach ein, schnappten uns die für „Member“ bereitliegenden Spaten und unser Badezeug und zogen los – immer den Massen nach zum Strand. Skurril, was wir sahen. Erwachsene Leute saßen im knietiefen Wasser und schippten wie Kinder ihre badewannenwarmen Pfützen immer größer und tiefer. Wir natürlich auch. Das Geheimnis liegt in heißen Quellen, die direkt unter dem Strand sprudeln. Allerdings nur bei Ebbe. Zwei Stunden vorher und zwei Stunden nach Low Tide kann man sich dem kindlichen Vergnügen hingeben.  Dann holt sich das Meer die Pfützen zurück. Bis zur nächsten Ebbe. Für die nächsten Strandbuddler.

So sehr es verlockte, wir gehörten nicht dazu. Uns reizte die wilde Seite der Coromandel. Erstes Etappenziel: Cathedral Cove. Stopp auf der Steilküste hinter Hahei. Parkplatz fast komplett gesperrt. Da kommt man ins Schwitzen. Als wir noch sinnierten, ob wir wirklich 5 km die Küstenstraße bis zum letzten freien Parkplatz zurückfahren sollten, räumte ein Auto die letzte Parklücke. Man muss auch mal Glück haben! Präpariert mit Wasserflasche und Fotoapparat begannen wir den Abstieg. Erst einen Küstenweg lang, dann eine steile Treppe abwärts, stand im Reiseführer.  Was nicht darin stand: auch der Küstenweg zog sich steil auf- und abwärts. Schnauf! Ich überlegte ernsthaft, ob ich mir wirklich auch noch die steile Treppe antun soll. Aber Frau gibt sich ja keine Blöße! Unten angekommen, fanden wir uns an einem der schönsten Strände wieder, den wir bisher gesehen haben.  Aber seht selbst. Magisch!

Für weitere Stopps fehlte dann leider die Zeit. Also Sightseeing vom Auto aus und das wilde Panorama der Coromandel während der Fahrt genossen. Nur in Coromandel Town stoppten wir auf einen Cappuccino und einen Flat White. Muss auch sein. Dass die Küstenstraße auf der Westseite der Halbinsel wirklich direkt am Ufer verläuft, beglückte uns nur die ersten Kilometer. Dann wieder die üblichen Baustellen. Kilometerlang. Leider fiel ihnen auch unser geplanter Freedom Camping direkt am Wasser zum Opfer. Baustelle. Gottseidank ist hier die Urlaubssaison bald vorbei und so fanden wir in Dicksons Holiday Park kurz vor Thames noch einen sehr idyllischen Stellplatz an einem murmelnden Bach mitten im tiefsten Grün. Wie passend zum Abschied von der wunderschönen, wilden Coromandel Halbinsel.

Feel like a Hobbit

Montag, 05.03.2018

  Im Hintergrund: Green Dragon Festwiese mit Versammlungsbaum Bilbos PfeifeBeutesl Beutelsend

Wir haben sie gesehen. Die Höhle von Frodo. Wirklich! Wir waren im Auenland. Im idyllischen Örtchen Hobbiton. Wer Fan von „Der Herr der Ringe“ ist, weiß, dass das ein absolutes MUSS jedes Neuseelandreisenden ist. Und was soll ich euch sagen? Es gibt jede Menge davon. So viele, dass im 10-Minuten-Abstand acht Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, ein vollbesetzter Bus zum Original-Filmset unterwegs ist. Rechnet euch selbst aus, wie viele Besucher gern die umgerechnet 50 Euro zahlen, um einmal selbst wie ein Hobbit durch die Gärten des lieblichen Auenlandes zu streifen. Der Laden brummt und ernährt neben Familie Alexander und Peter Jackson noch weitere 280 Mitarbeiter des „original Filmsets Hobbiton“.

Es liegt mitten in den riesigen Ländereien der Alexander-Farm. Regisseur Peter Jackson entdeckte den Platz während eines Hubschrauberfluges, ein riesiger Baum auf einem Hügel gab den Ausschlag. Der musste in seinem neuen Film der Festplatz von Hobbinton werden. Das weiß jeder Filmfan. Dass aber genau an dieser Stelle ein fünf Meter tiefer Sumpf lag, auch? Von solchen Kleinigkeiten lässt sich doch kein Peter Jackson abschrecken! Er engagierte die Armee, die mit schwerem Gerät den Sumpf verfüllte. Und weil das so gut klappte, wurde sie gleich weiter mit der Umgestaltung des Filmsets nach den Vorstellungen des Regisseurs betraut. Stellt euch das mal in Deutschland vor! Jacksons Detailverliebtheit trieb übrigens weitere tolle Blüten, nein Blätter. Für das Filmset pflanzte man überall zwischen den Hügeln Apfel- und Birnenbäume, weil die eine schöne Form und die richtige Größe für die Kameras haben. Weil aber in Tolkiens Büchern steht, dass die Hobbits unter Pflaumenbäumen sitzen, ließ Peter Jackson zum Dreh alle Blätter und Früchte entfernen und zehntausende künstliche Pflaumen und Blätter anbringen. Den Bäumen hat es nicht geschadet, sie hängen heute voller Äpfel. Echter.

Wir streifen von Höhle zu Höhle, freuen uns an den liebevoll präsentierten kleinen Dingen – von der Wäsche auf der Leine bis hin zu Bilbos Pfeife auf der Bank vor Beutelsend. Und überall grünt und blüht es. Unser Guide Grace leistet Schwerstarbeit. Die Gruppe zusammenzuhalten ist für sie schlimmer, als einen Sack Flöhe zu hüten. Und auch ich würde mich bedenkenlos einen ganzen Tag lang in Hobbiton verlieren, wäre da nicht der Zeitdruck. Ihr wisst schon: Alle 10 Minuten ein voller Bus. Zum Abschied gibt es einen Umdrunk im „Grünen Drachen“. Und nach knapp zwei Stunden seeligen Staunens ist schon wieder alles vorbei. Wir fühlten uns wirklich wie Hobbits. Den echten Frodos, Bilbos, Merrins und Pippins sind wir nicht begegnet. Die waren wohl gerade auf Familienbesuch in Mittelerde.

Überall wo’s dampft und brodelt…

Sonntag, 04.03.2018

Wir sind im heißen Herzen Neuseelands unterwegs. Rund um Rotorua, und das heißt, mindestens 40 km rund um den coolesten hot spot der Insel, wie sich die Stadt nennt, dampft der Boden. Wir fahren durch eines der aktivsten Geothermalgebiete der Erde.

Gestern folgten wir einem Geheimtipp und besuchten Orakei Korako, das „Hidden Valley“. Wir liefen gut isoliert auf Bretterstegen über kochendheißes Wasser, bestaunten die Farben der Sinterterrassen und freuen uns am „Blubb“ der Schlammpools. 20 Millionen Liter heißen Wassers laufen täglich über die Terrassen in den See. Eine Farborgie sonders Gleichen. Aber seht selbst, es ist mit Worten nicht zu beschreiben. Ein Geheimtipp ist das „Hidden Valley“ jedoch nicht mehr. Nur am Abend, wenn die Tagesgäste längst wieder gefahren sind, wird es mystisch. Mit vier anderen Campervans folgen wir der Einladung zum kostenfreien Übernachten am Visitorcenter. Im Vollmond spiegelten sich die Sinterterrassen im stillen See, überall auf der gegenüberliegenden Seite stiegen weiße Dampfwolken in den Nachthimmel. Und am frühen Morgen zog still der Nebel über den See.

Bevor die Tagestouristen die romantische Stimmung zu Nichte machen konnten, verließen wir das romantische Fleckchen Erde Richtung Rotorua. Nächster Stopp: Waimangu, das jüngste Geothermalgebiet der Erde, ganze 130 Jahre jung. Entlang heißer Quellen, vorbei an Kraterseen und Dampflöchern, führt uns ein gut ausgeschilderter zweistündiger Wanderweg. Wieder unglaubliche Farbenvielfalt auf den Sinterterrassen, dazu das türkisfarbene Wasser des „Infernokraters“. Und noch immer gibt die Erde keine Ruhe. Der jüngste Ausbruch eines Geysirs großen Ausmaßes liegt erst 40 Jahre zurück.

Eigentlich schwebte uns noch vor, wie in Island in warmen Quellen zu baden. Angesichts der Wassertemperaturen jenseits der 70 Grad und der strengen Naturschutzbedingungen ließen wir diesen touristischen Punkt gern fallen und vergnügten uns statt dessen lieber in den Hot Pools unseres heutigen Etappenziels, des Top 10 Holiday Parks in Rotorua. Völlig legal und im Preis inbegriffen.

Mit allen Sinnen genießen – es geht uns gut!

Freitag, 02.03.2018

Wir verlassen die Südinsel Und kommen in Wellington an Muskelkraft gegen Schiffs-PS Die Cable Car fährt ohne uns nach unten Bier-Tasting Keine Weinberge sondern -Felder Kuriose Verbindung Die alte TUI Brauerei Keine Filmkulisse: Napier Wie im Großen Gatsby

Die ersten Tage auf der Nordinsel haben wir so richtig genossen.

Tag eins: Wellington. Hauptstadt. Stadt am Wasser. Universitätsstadt. Urbanes Zentrum des Südens. Aber auch berüchtigt für seine Wetterumschwünge und den ständigen starken Wind. „Windy Welli“ eben. Die Stadt empfängt uns gnädig. Kein Windhauch, strahlende Sonne, Wärme. Und das den ganzen Tag. Also erstmal auf einen Cappuccino und einen Flat White in‘s Straßencafé, Leute an der Promenade gucken. Dann gehen wir an die Umsetzung unseres Tagesplans: Punkt 1: Besuch des Nationalmuseums Neuseelands „Te Papa Tongarewa“, von allen nur „Te Papa“ genannt.  Die Kiwis haben‘s halt mit den Abkürzungen. Im Inneren des futuristischen Baus auf sechs Etagen die geballte Historie, Kultur und Natur des Landes. Interaktiv, macht Spaß und steckt voller Überraschungen. Von der Besiedlung durch die Maoris bis zur Jetztzeit. Wir bestaunen die Kriegskanus und die Zeremonienhäuser, lassen uns von der tragischen Geschichte der ANZAC-Soldaten berühren und von den Naturgewalten fesseln. Die Stunden vergehen wie  im Flug. Schnell einen späten Mittagsimbiss, wir wollen unbedingt die Nachmittagssonne noch zu einer Fahrt mit der berühmten Cable Car nutzen. Was für ein Blick über die Stadt! Zurück geht’s zu Fuß. Immer bergab durch den Botanischen Garten von Wellington, durch einen historischen Friedhof, entlang der Magistralen mit repräsentativen Palästen bis an die Wasserfront. Da haben wir uns doch ein Bier oder Cidre verdient!? Wir teilen uns die Bar mit vielen Kiwis, die sich schnell noch auf ein Feierabendbier treffen. Damit halten sie es genau wie ihre Nachbarn in Australien. Was, es wird schon dunkel!? Wie spät ist es eigentlich? Wir beschließen unseren Hauptstadtbesuch bei Tapas, Wein und Bier im vom „Geo Spezial Neuseeland“ zu Recht empfohlenen „Habanna“.

Tag zwei: Weinprobe in und um Martinborough. Weit müssen wir dafür nicht reisen. Nach 80 Kilometern reiten wir im gelobten Land der Weinliebhaber ein. Strategisch gewählt, damit Driver Norbert auch etwas von den geplanten Weinproben haben kann. Und wirklich. Rund um unseren Stellplatz Weingüter im Überfluss. Wir zählen kurz durch. Wenigstens 8 sind zu Fuß erreichbar. Weingut 1: Wir testen fünf Weine, sie überzeugen uns nicht. Aber die Tapasplatte schmeckt. Weingut 2: Nur mit vorheriger Anmeldung, hat die Chefin des Campingplatzes für uns erledigt. Sechs Weine, alle sehr schmackhaft, besonders der Grüne Veltliner. Das Weingut spielt in der Internationalen Spitzenklasse, hat dementsprechend auch Spitzenpreise. Drittes Weingut: Ganz kleiner Probenraum. Wieder fünf Weine. Für Norbert, ich setze erst einmal aus. Der Gewürztraminer ist sein Favorit. Zuletzt noch ins „Poppies“. Sehr stimmungsvoller Probierraum mit angeschlossenem Café, wir werden von der Hausherrin bedient, die wirklich Poppie heißt. Mit uns sehr lustige Kanadier. Hier könnte man sich eigentlich festsetzen. Ist aber Schluss um Vier. Muss ja auch mal Feierabend sein am Weinberg. Also zu Fuß zurück in die Stadt. Martinborough ist wirklich hübsch. Fein herausgeputzte Häuschen aus der victorianischen Zeit, Cafés, Hotels, kleine Lädchen. Und eine Mikrobrauerei. Dann zum Abschluss eben ein Biertasting. Das reicht für den Tag. Genuss pur.

Tag drei: Ritt übers Land nach Napier, der einzigartigen Art-Deco-Stadt. Wir fahren durch sanfte Hügellandschaft. Erster Stopp in Carterton, Besichtigung einer Manufaktur, in der Paui-Muscheln zu Schmuck und Dekorationsware verarbeitet werden. Inklusive ausführlicher Besichtigung des Andenkenshops. Ich darf mir kostenfrei einige Ausschuss-Muscheln mitnehmen. Nett, nicht? So sind sie, die Kiwis. Weiter geht’s. Am Straßenrand ein Hinweisschild zur Tui-Brauerei. Ist nicht gerade Mittagszeit? Spontan legen wir eine Pause auf dem Brauereigelände ein. Für den Leib kriegt Norbert ein original Tui-Bier, ich das obligatorische Tap-Wasser und der Hunger wird auch besänftigt. Für die Seele gibt es das angeschlossene Brauerei-Museum. Weiter. Nächster Stopp wenige Kilometer weiter in Woodland am „Mummy Jummy“  mit seinen weltberühmen Cheesecakes. Hunger ist weg, also kaufen und mitnehmen. Am späten Nachmittag erreichen wir endlich Napier. Leider ist die Sonne weg. Aber auch so ist die Stadt unglaublich! 1931 durch ein Erdbeben zerstört, wurde sie innerhalb von zwei Jahren fast vollständig im damals modernen Art-Deco-Stil wieder aufgebaut. Irgendwie unwirklich. Wir bestaunen ganze Straßenzüge voll puderfarbiger Häuser. Und kommen uns vor wie in einer Filmkulisse, wären da nicht die ganz heutigen Läden im Erdgeschoss. Obwohl: Auch hier setze einige voll auf Historie. Und ich komme mir wieder vor wie im  „Großen Gatsby“.

Und nun genießen wir den  Abend am Meer auf einem Campingplatz in den Dünen kurz hinter Napier. Den Cheese Cake gab’s als Dessert zum Abendessen.

Sommerfeeling im Abel Tasman Nationalpark

Montag, 26.02.2018

  Da passte auch unser Camper durch Sommerfrische Auch für sie... Auf geht's zum Abel Tasman NP Auf diesen Pfaden Unter den Baumfarnen In der grünen Hölle Mit solchen Aussichten Zurück am Strand

Der Abel Tasman Nationalpark ganz im Nordosten der Südinsel sei DAS Erholungsgebiet der Kiwis, lasen und hörten wir. Jeder, den wir in unserer immerhin schon drei Wochen dauernden Tour trafen, schwärmte in den höchsten Tönen davon. Also planten wir gleich mal drei Übernachtungen ein. Die erste in der „Hauptstadt“ der Region Motueka, die nächsten zwei auf dem Campingplatz von Marahau direkt im Nationalpark.

Schneller als gedacht kamen wir mit unserem Camper von der Nordwestküste quer durchs wilde Tal des Buller River. Im Reiseführer stand was von „Felsüberhängen an schmalen, kurvenreichen Stellen“ und dass es eine Herausforderung für jeden Campmobilisten sei, diese Strecke zu durchfahren. Ich weiß zwar nicht, aus welcher Zeit der Autor solche Informationen zog,  in der jetzigen fährt man ganz relaxt durch die wilde Landschaft. Ja, es gibt Felsüberhänge, aber die bewältigt selbst ein Truck ohne anzuschrammen. Und ja, es gibt sehr schmale Stellen, aber die werden durch Ampeln geregelt. Schneller als erwartet  kamen wir in das fruchtbare Wein Valley von Richmond. Die Mittagszeit war gerade erst vorbei, da fuhren wir in Motueka ein. Na dann können wir doch gleich doch gleich erst einmal nach Marahau durchrauschen und unseren Stellplatz für die nächsten zwei Tage buchen, dachten wir. Pustekuchen. Nach der letzten Kreuzung bedeutete uns ein rot leuchtendes Schild auf der Fahrbahn „Road closed!“ Zyklon Gita hielt Tage nach seinem Abzug noch unliebsame Überraschungen für uns bereit. Irgendwo im Abel Tasman war ein Berg auf die Fahrbahn gerutscht. Kein Durchkommen. Die Ausweichstrecke über Kaiteriteri verursachte mir Schweißausbrüche. Uneinsehbare Serpentinen in schräg abfallender Straße. Und kein Ampelverkehr! Und keine Einbahnstraßen! Norbert hatte Mitleid mit mir schweißnassem Nervenbündel. Planänderung! Wir bleiben die nächsten zwei Nächte in Kaiteriteri. Dem Badeort der Südinsel schlechthin. An einer flachen Bucht, begrenzt von goldfarbenem Sand. Der Campingplatz direkt an der Uferpromenade ist mit 400 Stellplätzen zwar ziemlich groß, aber wir bekamen den gewünschten Platz am Rande - ruhig und doch strandnah - reserviert.

Die Stadt Motueka war eine Enttäuschung für ihren Anspruch als Capital des Abel Tasman. Aber zum Auffüllen der Vorräte, Pläne schmieden und mal wieder gründlich aufräumen brauchten wir ohnehin mal wieder etwas Zeit. Noch dazu uns der Wettergott endlich mit Sonne und Wärme verwöhnte. Und deshalb wurde in Kaiteriteri auch spontan ein Strandtag eingeschoben. Faulenzen, in der Sonne aalen, lesen, Leute gucken. Gestern dann das Kontrastprogramm: Wandern auf dem Abel Tasman Coastal Track. Der zieht sich entlang der Küste durch den ganzen Nationalpark. Mit dem Auto kommt man da nicht ran, aber Wassertaxis fahren die Wanderer in jede Bucht, in der man in den Track einsteigen kann. Manchmal jedoch wird man, wie wir in der Torrent Bay, in oberschenkeltiefem Wasser von Bord gelassen. Also Schuhe aus, die Hosen hochgekrempelt und ab ins Nasse! Sechs Stunden später, mit zwölf Kilometer Gebirgsmarsch in den Beinen und unglaublich vielen, unglaublich schönen Eindrücken im Kopf, sammelte uns das Taxi nach einem erfrischenden Bad in der Apple Tree Bay wieder auf. Der Coastal Track gehört zu den schönsten Wanderwegen, die wir je gegangen sind. Oberhalb der Tasman Bay wurde er in schroffe Felswände gehauen. Begrenzt von tiefem Urwald bietet er immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die tief unten schimmernde See. Da wussten wir, wieso es die Neuseeländer immer und immer wieder in den Abel Tasman Nationalpark zieht.

Morgen verlassen wir mit ein wenig Wehmut im Herzen die Südinsel von Neuseeland. Mehr als Hälfte unseres Kiwi Tripps liegt nun schon hinter uns. Die Nordinsel mit ihren vielen Stränden, mit ihren Weingütern und ihrem heißen, vulkanischen Herzen wartet schon auf uns!  

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